Ratgeber

Coaching oder Therapie? Was bei ADHS wozu passt

Therapie behandelt, Coaching arbeitet am Alltag. Wo die Grenze liegt, wann was sinnvoll ist, wer was bezahlt und warum beides zusammen oft am besten funktioniert.

· 1 Minuten Lesezeit

Beides sind Gespräche, beides soll helfen. Trotzdem sind Psychotherapie und Coaching zwei verschiedene Dinge, rechtlich und inhaltlich. Wer das auseinanderhält, kann besser entscheiden, was gerade dran ist.

Psychotherapie

Psychotherapie ist Heilbehandlung. Sie darf nur ausüben, wer dafür zugelassen ist: ärztliche oder psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Bei ADHS behandelt sie das Störungsbild selbst und häufig auch das, was sich im Laufe der Jahre daran angelagert hat: Depressionen, Ängste, ein beschädigtes Selbstbild. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn eine Diagnose vorliegt. Der Preis dafür sind Wartezeiten, die oft Monate betragen.

Coaching

Coaching ist keine Heilbehandlung und kein geschützter Begriff. Es darf weder diagnostizieren noch behandeln noch Aussagen zu Medikamenten machen. Das ist keine Formalie, sondern gesetzlich geregelt: Wer Heilkunde ausübt, braucht dafür eine Erlaubnis. Coaching arbeitet deshalb ausschließlich am Alltag: Wie organisiere ich meine Woche, wie fange ich an, was mache ich mit dem Chaos auf dem Schreibtisch, wie sage ich meinem Chef, was ich brauche. Die Kosten trägt man selbst, dafür gibt es keine Warteliste.

Wann was sinnvoll ist

  • Bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Angst, Suchtproblemen oder Gedanken, nicht mehr leben zu wollen: Therapie, und zwar zuerst. Coaching ist dann nicht der richtige Ort.
  • Bei einer Diagnose ohne weitere Belastung, wenn vor allem Struktur und Alltag das Problem sind: Coaching kann reichen.
  • In der Wartezeit auf einen Therapieplatz: Coaching kann die Zeit nutzen, ersetzt den Platz aber nicht.
  • Mit laufender Therapie oder Medikation: Coaching als Ergänzung, mit Wissen der behandelnden Person.

Was ein seriöses Coaching auszeichnet

Es sagt offen, was es nicht ist. Es fragt nicht nach Diagnosedetails, die es nicht braucht. Es verspricht keine Heilung und keine Symptomfreiheit. Und es verweist weiter, wenn im Gespräch etwas auftaucht, das in therapeutische Hände gehört. Wer beim Erstgespräch den Eindruck hat, hier werde Therapie unter anderem Namen angeboten, sollte gehen.

Coaching ist keine Behandlung, aber ein Weg, Strategien für den eigenen Alltag zu finden. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich.

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